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KILL 50, 2016-11-05/06, 50 Meilen per Stirnlampe durch den Matsch

Auf der Web-Seite der Organisatoren findet sich folgendes:

Also es ist dunkel wahrscheinlich nass und es geht sehr oft bergauf. Gelaufen wird die 50k HiLL50 Runde mit einigen Änderungen ab etwa der Hälfte biegst du auf eine 30km Runde südlich von Sibbesse ab über die 7 Berge. Vielleicht hast du Glück und Schneewitchen reicht dir was zu trinken. Wenn du Pech hast erwischen dich die Zwerge oder die Wildschweine 😉

Orientierung?

Eine gute Orientierungsfähigkeit kann genauso entscheidend für Dein Finish sein wie Deine reinen läuferischen Fähigkeiten.
Du bekommst eine Topografische Karte. (Die kannst Du auch behalten und voller Stolz deinen Kindern zeigen)

Dein Zeitgewinn unterwegs ist enorm, wenn Du Dich präzise jederzeit orientierst, immer mit dem Finger auf der Karte weißt wo Du gerade bist. Der schnelle Läufer, der oft falsch abbiegt bekommt ein Problem. Der langsame Läufer, der sich ebenfalls schlecht orientiert, sieht hier das Ziel nie. Im Rennen muß Dir jederzeit bewusst sein, wo Du Dich aktuell befindest. Trainiere das bitte!

Sachlage ist, daß Du nach topografischer Karte laufen wirst und die Streckenmarkierung nur eine unvollständige Unterstützung darstellt. Mach´ Dir das im Vorfeld bewußt sonst bist Du hier überrascht. Es bedeutet, Deine Fähigkeiten nach topografischer Landkarte zu laufen müssen gut sein.

Stirnlampe mit LED ist unbedingt Pflicht weil du sonst die Streckenmarkierung nicht siehst.

Mehr gibt es nicht zu sagen.
Ach ja wenn du einen Tunnel siehst mit einem hellen Licht am Ende und dazu ruft jemand deinen Namen. Vergewisser Dich auf der Karte ob du richtig bist, ignorier die Stimmen und komm nach Hause zur Herberge.

Schon 2014 und 2015 hat mir dieser Lauf sehr gefallen, also ging es auch 2016 wieder an den Start.

50 Meilen, also ca. 80 Kilometer, sind lang, aber da ich in den letzten 3 Jahren bestimmt schon ein Dutzend mal solch eine Distanz gelaufen bin (und auch immer ins Ziel gekommen bin) mache ich mir darum mittlerweile keine Sorgen mehr. Obwohl natürlich so ein nächtlicher Lauf, mit Stirnlampe, durch einen mit schmierigem Herbstlaub gefüllten und matschigen Wald, jede Menge Potenzial bietet sich die Gräten zu verbiegen. Einmal nicht aufgepasst, schon bleibt man an einer Baumwurzel hängen und …

Aber zunächst zurück zum Start …

Um Punkt 16:00 Uhr startet Michaels Briefing:

… ihr habt die Möglichkeit bei Kilometer 30, oder auch vorher, wenn ihr euch ein Bein brecht, auszusteigen. Steigt ihr aus, also finisht nicht den Lauf, gehört die untere Hälfte der Erkennungsmarke mir. Den Rest könnt ihr dann als Zeichen eures Versagens mit nach Hause nehmen, unters Kopfkissen packen und ein bisschen ins Kopfkissen reinweinen … Der Rest kommt hier an Kill Bill. Ihr seht, er hat schon reichlich Beute …

Punkt 17:00 Uhr startet dann die Meute. Nach vielleicht 500 Metern haben wir uns dann auch gleich zum ersten Mal verlaufen. Irgendwo wurde rechts ein Abzweig verpasst. Um diesen Fehler zu korrigieren, geht es ein Stück querfeldein durch den Wald eine Böschung hoch, um wieder auf den vorgegebenen Track zu gelangen. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass mir / uns vor einem Jahr schon genau der selbe Fehler passiert ist.

Ruckzuck hat sich das Feld auseinander gezogen und es geht auf den Tosmar Kammweg hinauf. Auf dem Kammweg ist es (auch wie immer) matschig und schmierig. Man muss ziemlich aufpassen. Trotzdem bleibt ein Auge an den Schönheiten der Umgebung und des Augenblicks. Von links ziehen immer mal wieder Wolkenfetzen über den Kamm, so dass man im Nebel steht. Gleichzeitig sieht man aber über sich die Sterne funkeln und manchmal auch die schmale Mondsichel über den Bäumen stehen. Auf der rechten Seite gibt es häufig einen tollen Ausblick in das Funkeln der abertausend Lichter in Richtung Hildesheim. Herrlich! Am Tosmar-Gipfelkreuz klettere ich extra auf den Sockel des Kreuzes um eine bessere Sicht auf das Hildesheimer Lichtermeer zu haben. Aber der Lichtkegel des nachfolgenden Läufers reißt mich nach nur 20 Sekunden wieder aus dem Traum und mahnt zum Weiterlaufen.

Ab hier geht es wie im Rausch weiter bis hinab nach Diekholzen. Dort fix einen Becher Cola an einem unbemannten VP getrunken und weiter. Irgendwo auf halber Strecke zwischen Diekholzen und Barfelde erwischt es mich dann. Tiefe, matschige Treckerspur auf einem Grasweg, der rechte Fuß ist gerade in der Luft und der linke rutscht weg. Bautz … Mit der rechten Flanke in voller Länge im Schmodder … Äh, Igitt … Aber immerhin butterweich gefallen. Aufstehen, kurz umgeguckt … Zum Glück, keiner hat es gesehen. Hände vom Matsch befreien und weiter gehts.
Bei Kilometer 30 am 1. VP in Heinum frage ich dann, ob man es sehen würde, dass ich im Matsch gelegen habe. „Neeiiinnn, hihi …“ war die Antwort. Ok …
Hier am VP in Heinum werden mal wieder fast 10 Minuten im Klönschnack vertrödelt. Erdnüsse, Salami, Käse, Schmalzstulle, Müsliriegel, Cola, und und und … so viele leckere Sachen. Eigentlich könnte man doch hierbleiben. Aber so einfach wollte ich es Kill Bill dann doch nicht machen.

Weiter geht es. Jetzt kommt ein „lustiger“ Teil. Man quält sich auf die Hohe Tafel (locker 400m N.N.) zum Tafelberg Turm rauf, nur um kurz danach wieder herunterlaufen zu müssen, um danach abermals über die verfluchte Wettenser Schleie wieder auf den Höhenzug herauf laufen zu müssen. Am Ende der ca. 1.5km durch die Wettenser Schleie ist es so steil, dass man selbst gehend, mit den Händen auf den Oberschenkel abdrückend, das Gefühl hat, rückwärts zu laufen. Danach noch ca. 6 „angenehm“ matschige Kilometer und wir sind wieder im Basislager (Kulturherberge Wernershöhe). Hier gibt es jetzt ein frisches Shirt, neue Batterien für das GPS, eine dickere Hose, eine neue Füllung für die Trinkblase im Rucksack und natürlich auch alles, was in 5 Minuten in den Magen zu bekommen ist.
Ziemlich genau Punkt Mitternacht verlasse ich die Kulturherberge und es geht auf die letzten 30km, die es aber auch in sich haben. Kurz vor Irmenseul kommen dann zwei Stirnlampen von hinten. Das sind Oliver und Stephan (mit denen ich nachher zusammen im Ziel einlaufen werde). Ich frage mich eine ganze Weile, wo die Beiden jetzt noch die Kraft hernehmen, so an mir vorbeizufliegen. Aber egal, ich muss mein Tempo laufen und eigentlich läuft es heute sehr gut. Mit Musik auf den Ohren laufe ich jetzt mein Ding. Die Meditation wird nur dadurch „gestört“, dass ziemlich genau 10 Kilometer vor dem Ziel Karl an mir vorbei zischt. „2 Becher Cola und ein Dextro-Gel“ oder so ähnlich lautet seine Antwort auf meine Frage, wieso er jetzt plötzlich so flott unterwegs ist. Außerdem motiviert ihn wohl, dass es nur noch 10 Kilometer sind. 10 von 80, das klingt nicht mehr nach viel.

Oben auf dem Kamm oberhalb von Sack angekommen, hat man wieder einen tollen Blick in die Ferne. Jetzt sind es noch ca. 7 km. Ich sehe in der Entfernung 3 Stirnlampen funzeln und sauge mich auf den nächsten 6km immer näher an diese heran. Einen Kilometer vor dem Ziel habe ich die Drei dann endlich eingeholt und wir laufen erschöpft und zufrieden um 04:12Uhr nach 11h und 12 Minuten wieder in der Kulturherberge ein. Auch den 3. Kill erfolgreich nach Hause gelaufen. Serienkiller sozusagen.

Dusche, Bier, Nudeln mit Tomatensoße, Klönschnack und dann geht es kurz nach 5 Uhr für ca. 4 Stunden in die Horizontale. Gegen 09:00 Uhr geht es mit Frühstück und anschließender Urkundenausgabe weiter. Bei 12:00 Uhr herum bin ich dann nach einstündiger Autofahrt wieder zu Hause.

Jetzt noch das Auto ausräumen, Waschmaschine anstellen, … Den zum Ende des Waschmaschinenlaufes gestellten Wecker bekomme ich jedoch nicht mehr mit. Es ist nämlich schon 20 Uhr durch, als ich wieder aufwache. Ein Kobold hat bereits die Waschmaschine ausgeräumt und der geplante Besuch beim örtlichen griechischen Gastronomen ist ausgefallen. Tja …

Einen „Mangel“ hat dieser Lauf übrigens doch: Es gibt keine schönen Landschaftsfotos. Aber man kann ja nicht alles haben. Dafür gab es jede Menge Spaß mit Gleichverrücktengesinnten …

Es bleibt noch der Dank an Susanne sowie Michael und die diversen Helfer im Hintergrund, die diesen tollen Lauf möglich gemacht haben. Bis zum nächsten Jahr!?

KILL 50, 2015-11-07, 50 Meilen durch die Nacht …

Irgendwann im April diesen Jahres kam eine Mail von Susanne und Michael, ob ich beim KILL50 wieder dabei sein möchte. Da mir der KILL50 in 2014 sehr viel Spaß gemacht hat, war die Antwort klar. Nun ja, mittlerweile war November und 35 mit Stirnlampe bestückte LäuferInnen lauschen den letzten Worten des Racedirectors Michael. Um 17:02Uhr kommt dann vom ihm die Frage, warum wir denn nicht los laufen. „Ich habe euch doch gesagt, die Uhr läuft ab 17:00Uhr“. Also, auf geht’s …

Die ersten 10 Ausfälle gibt es bereits – hauptsächlich erkältungsbedingt – vor dem Start. Zehn weitere LäuferInnen steigen während des Laufes aus. Die Medaillen dieser LäuferInnen – im übrigen Erkennungsmarken wie bei der Bundeswehr – werden jeweils von Michael (genussvoll grinsend) zerbrochen und dem Skelett ‚Kill Bill‘ an die Rippen gehängt.

Insgesamt gilt es 50Meilen (80,5km) (KILL50: Kein Idyllischer Landschaftslauf über 50 Meilen) mit ca. 2000 Höhenmetern zu absolvieren. Die erste Schleife mit etwas über 50km läuft dieses Jahr für mich deutlich zäher als letztes Jahr. Ab Kilometer 10 merke ich nämlich, wie meine Hacken in den Schuhe rutschen und ich habe das Gefühl, dass es so auf Dauer ziemlich sicher Blasen geben wird. Wohl doch keine so gute Idee mit Schuhen, die zwar 150km eingetragen sind, aber mit denen ich noch nie einen Marathon gelaufen bin, zu starten. Bei Kilometer 15, oben am Gipfelkreuz / Gipfelbuch des Tosmar Kammweges, schnüre ich meine Schuhe neu und deutlich fester.
Ja, die Hacken sitzen jetzt gut und fest. Aber nach ca. 35 Kilometer merke ich, dass diese feste Schnürung meinem Fußrücken überhaupt nicht gefällt. Insbesondere bergab Laufen wird zu einer echten Qual. Und zu allem Überfluss fängt es jetzt für fast eine Stunde ziemlich heftig an zu regnen. Der von der Stirnlampe verursachte Stroboskopeffekt an Regentropfen und den von kräftigen Windböen gelösten Laub und Lärchennadeln, die in Massen herab rieseln, lenkt mich jetzt andauernd ab. Dabei gilt es eigentlich seine Augen ständig am Boden zu haben. Man weiß nie, was für Steine, Äste oder Matschlöcher sich beim nächsten Schritt unter dem Zentimeter hohen Laub verbergen. Was sind meine Füße dann froh, als ich nach 50km endlich die Schuhe wechseln kann. Außerdem wird das mit Regenwasser getränkte Laufshirt gegen ein trockenes Shirt getauscht.

23 Minuten länger für den ersten Abschnitt der Strecke und satte 30 Minuten – statt ~15 Minuten in 2014 – für Verpflegung und Schuhwechsel. Der Zeitplan hängt jetzt um fast 40 Minuten. Auf dem zweiten Teil der Strecke läuft es aber besser. Es hat nun aufgehört zu regnen und es ist sternklar. Bergab Laufen ist immer noch doof, aber bergauf läuft es dafür umso besser. Ich kann, bis auf ein paar extrem steile Passagen, alle Steigungen ohne Gehpausen hochlaufen und schaffe es auch die Stelle oberhalb von Sack, an der ich letztes Jahr auf einem Single-Trail, 10km vor dem Ziel, umgeknickt bin, heile zu passieren.

Die 1,5km bergab nach Sack werden noch einmal unangenehm. Die Oberseiten der Füße meckern und Nicole und Ingmar, die ich kurz zuvor hinter mir gelassen hatte, überholen mich wieder. Aber gleich hinter Sack geht es „zum Glück“ noch mal 2,5km lang nur bergauf 😉

Auf dem zweiten, ca. 30km langen Teil der Runde, bin ich dieses Jahr um 15 Minuten schneller. Der Rückstand gegen 2014 schrumpft so am Ende wieder auf 23 Minuten zusammen. Ich bin zufrieden. Das Minimalziel von „unter 12h“ wurde trotz Fußproblemen, reichlich Wind, Regen und jede Menge Matsch, Pfützen und Laub mit Rutsch und Schlitter gut erreicht.

Nach Duschen, Weizenbier und Smalltalk ging es dann gegen 06:00Uhr morgens für 2 1/2h Schlaf ins Auto … Richtung Osten leuchtet eine schmale Mondsichel, direkt darüber Venus, Mars und noch Jupiter! Ein toller Anblick dieser engen Konstellation. Aber lange kann ich das Schauspiel nicht genießen, die Augen fallen recht schnell zu. Um 08:30 Uhr klingelt der Wecker … Ausschlafen geht anders 😉 Aber Michaels „Therapeuten-Team“ hat für ein lecker Frühstück mit frischen Brötchen gesorgt. Das weckt die Lebensgeister. Wurst, Käse, Marmelade, Nutella, Joghurt, … Alles was das Herz begehrt. Ich hoffe insgeheim, dass keiner so genau aufpasst, was ich nach dem Lauf letzte Nacht so alles in mich hinein stopfe 🙂 Anschließend ist Siegerehrung. Der Sieger heißt dieses Mal nicht Georg Kunzfeld (welcher „nur“ zweiter geworden ist) oder Matthias Schramm, sondern Amadeus Gladbach. Dieser hat mit unglaublichen 7h58min (!), den alten Streckenrekord um 2 Minuten verbessert.

Ach ja, nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass ich dieses Jahr auf meine gute LED Lenser H14R.2 von Zweibrüder verzichten und stattdessen mit einer Ersatzfunzel laufen musste. Die Lampe ging nach einem Defekt am 21. September zurück an Werkzeug Volberg (LED Lenser Fachhändler). Irgendwo zwischen Fachhändler und Zweibrüder ist die Lampe vermutlich verschwunden. Keiner will Schuld sein oder Verantwortung übernehmen. Auch mit diversen E-Mails und Telefonaten konnte nichts, aber auch gar nichts, bewegt werden. Statt gutem, unbürokratischem  Service nur die reißerische Schlagzeile: „Renommierter Stirnlampenhersteller und Fachhändler lassen Ultra-Trail-Läufer nach bereits 8 Wochen andauerndem Reparatur-Hickhack nachts ohne Lampe in wildschweinverseuchtem Mittelgebirgs-Wald südlich von Hildesheim zurück“ ;-(

Danke an Susanne und Michael + „Therapeuten-Team“. Hoffentlich bis nächstes Jahr …

KiLL 50, Kein idyllischer Lan(d)schaftslauf, 80km, 08/09.11.2014

„Der KiLL50 wird kein idyllischer Landschaftslauf. […] Die 50 steht für 50 Meilen also etwa 80km. […] Du läufst  durch den Wald. Hektisch schwenkt der Lichtkegel deiner Kopflampe durch den seichten Nebel. Es wird kalt sein und wahrscheinlich nass. Du startest wenn es dunkel geworden ist. […] Du hoffst inständig die nächste Markierung nicht zu übersehen. […] Zur Belohnung darfst du deine Verpflegung auch komplett selber mitschleppen.
Der KiLL50 mit seinen über 2000 Höhenmetern wird kein Spaziergang. Lange Rampen und steile Anstiege werden von deinen Beinen und von deinem Kopf alles fordern. Im November ist zusätzlich noch das Wetter gnadenlos. Und auch wenn der Weg überwiegend im Wald verläuft, musst du nassgeschwitzt aufs offene Feld hinaus. Der Wind, der Schnee oder der Regen wird die letzte Wärme aus deinen Gliedern ziehen.“

So stand es in der Ausschreibung und dort wurde nicht zu viel versprochen 😉 Die Länge der Strecke, knackige Anstiege, der viele Matsch und die Dunkelheit waren doch eine ziemliche Herausforderung für mich, der das erste Mal bei diesem Lauf dabei war. Unter den ca. 40 gemeldeten Teilnehmern waren diverse Läufer, die hier schon zum x-ten Mal an den Start gingen. Die zerbrochenen Erkennungsmarken an dem Skelett stammen übrigens von den Läufern, die hier die letzten Jahre aufgeben mussten. Auch dieses Jahr haben wieder 3 Leute aufgeben müssen.

Immerhin, das Wetter war auf unserer Seite. Beim Start Temperaturen um 9°C und strahlend blauer Himmel. Oben am Gipfelkreuz des Tosmarbergs angekommen, konnte man dann nicht nur die vielen Lichter der Hildesheimer Ebene sehen, sondern auch der fast volle Mond ging jetzt auf. Ein tolles Bild. Im zweiten Teil der Strecke, weit nach Mitternacht, habe ich mich mehrfach umgedreht, weil ich dachte, da kommt ein Auto oder ein anderer Läufer von hinten. Es war aber immer nur der extrem helle Mond, der irgendwo durch die Bäume lachte.

Gestartet wurde um 17:00 Uhr in der Kulturherberge Wernershöhe in Wrisbergholzen. Hier gab es vorher gegen 16:00Uhr in einem Briefing letzte Infos vom Racedirektor Michael.
Es galt zunächst eine Schleife Richtung Norden durch den Hildesheimer Wald über den Tosmartrail Richtung Diekholzen zu laufen. Von dort weiter Richtung Barfelde. Bei ca. Kilometer 28 war dort bei der Reservistenkameradschaft ein Verpflegungspunkt mit allem was das Herz begehrte eingerichtet. Ich fülle dort die Trinkblase in meinem Rucksack nach, schütte mir ein Malzbier auf Ex ‚rein und werfe eine Handvoll Geleebananen und anderes Süßzeugs ein. Das war ein großer Fehler. Die nächsten Kilometer ist mir echt übel 🙂 Erst nach weiteren 10km oben auf der Hohen Tafel am Ernst-Binnewies-Turm angekommen, hat sich Magen wieder komplett beruhigt.

Nun ging es mit immer wieder knackigen Steigungen (wenn ich meiner Karte trauen darf, teilweise bis zu 18% Steigung) durch die Sieben Berge zurück zur Kulturherberge.

Es ist 23:45 Uhr, als ich dort eintreffe. Ca. 50.5km stehen bereits auf der Uhr:

  • Getränkevorrat auffüllen
  • Diesmal kein(!) Süßzeugs, sondern nur ein paar Käsehäppchen eingeworfen
  • Vorsorglich neue Batterien ins GPS (ohne GPS möchte ich hier nachts nicht da stehen müssen)
  • Zur Sicherheit noch Ersatzbatterien für die Stirnlampe ins Gepäck
  • Zusatz-Akku fürs Mobiltelefon, damit es die jeweils aktuelle Position zu meiner besorgten Regierung funken kann
  • Die Geleebananen scheinen mittlerweile im Darm angekommen zu sein. Auch das benötigt noch ein paar Minuten extra 🙂

Gegen 00:00 geht es wieder auf die Piste. Die zweite Runde geht gut 30km durch den Sackwald. Hier weiß ich schon ziemlich exakt, welche Menge Matsch und Schlamm mich wo erwartet, da ich hier vor ca. 14 Tagen schon Mal ein wenig im Revier „geschnüffelt“ hatte.

Lauftechnisch alles prima, bis ich irgendwo oberhalb von Alfeld auf einem Kamm / Singeltrail ziemlich blöd auf eine Wurzel trete und dabei leicht abrutsche und mit dem rechten Fuß umknicke. Der Laufstil wird ab da auf den letzten 10km etwas unrund und die rechte Wade fühlt sich dadurch an wie „kurz vor Krampf“.  Der 2km Downhill Richtung Sack macht damit nicht mehr so viel Spaß wie noch vor 14 Tagen. Aber mein Mittläufer und Namenskollege Frank hat Geduld und wartet jetzt immer mal wieder auf mich. Bereits auf den ersten 50km bin ich ein ganzes Stück mit ihm zusammengelaufen. Nach der Kulturherberge muss ich ihn jedoch ziehen lassen, finde aber immer mal wieder Anschluss an ihn. An den Anstiegen scheine ich wohl den Hauch eines Zehntel km/h schneller zu sein als er.

Ab Sack sind dann plötzlich Leuchtmakierungen da, die nicht vom Veranstalter zu stammen scheinen. Nach ca. 200m bemerken wir, dass wir nicht mehr auf dem GPS-Track sind und laufen zurück, um dann sicherheitshalber doch lieber dem GPS-Track zu folgen. Die nächsten 3km gibt es merkwürdigerweise keinerlei Wegmakierungen des Veranstalters mehr. Wir sind verunsichert, diskutieren hin- und her, folgen aber „einfach“ dem GPS-Track und machen damit instinktiv das richtige. Irgendwer hat hier wohl – warum auch immer – auf fast 3km Länge die Markierungen entfernt.

Ca. 1km vor der Kulturherberge tauchen dann plötzlich auch wieder Markierungen auf. Ziel fast in Sicht. Ankunft dort um 04:24 Uhr. Meine offizielle Laufdauer 11h20min. 80,3km stehen auf der Uhr. Geschafft … im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach Weizenbier, warmer Dusche und zwei Bechern Cola sind die Lebensgeister wieder wach. Es dauert noch bis 06:00 Uhr bis ich mich aus der illustren Runde, der bereits im Ziel Angekommenen verabschiede und mir im Auto 3 1/2h Schlaf gönne.

Der Schnellste hat 8:00h (Georg Kunzfeld. Hammer!) gebraucht, die langsamsten 15h. Ich liege mit meiner Zeit irgendwo im Mittelfeld. Am nächsten Morgen wird dann eifrig darüber diskutiert, ob nicht eigentlich die LäuferInnen, welche 15h auf den Beinen waren, die viel größere Leistung vollbracht haben!? Letztendlich läuft aber ja jeder nach seinem Können und die Belastung ist für alle, ob schnell oder langsam, wohl ähnlich.

Dank an Michael und seine Susanne, sowie auch an das restliche, mir namentlich unbekannte, „Therapeuten“-Team für die Ausrichtung dieses tollen Events.

Viele Bilder gibt es freilich nicht. Zu dunkel für die Kompaktknipse und die DSLR + Stativ leider zu schwer für 80km: