Irgendwann im April diesen Jahres kam eine Mail von Susanne und Michael, ob ich beim KILL50 wieder dabei sein möchte. Da mir der KILL50 in 2014 sehr viel Spaß gemacht hat, war die Antwort klar. Nun ja, mittlerweile war November und 35 mit Stirnlampe bestückte LäuferInnen lauschen den letzten Worten des Racedirectors Michael. Um 17:02Uhr kommt dann vom ihm die Frage, warum wir denn nicht los laufen. „Ich habe euch doch gesagt, die Uhr läuft ab 17:00Uhr“. Also, auf geht’s …

Die ersten 10 Ausfälle gibt es bereits – hauptsächlich erkältungsbedingt – vor dem Start. Zehn weitere LäuferInnen steigen während des Laufes aus. Die Medaillen dieser LäuferInnen – im übrigen Erkennungsmarken wie bei der Bundeswehr – werden jeweils von Michael (genussvoll grinsend) zerbrochen und dem Skelett ‚Kill Bill‘ an die Rippen gehängt.

Insgesamt gilt es 50Meilen (80,5km) (KILL50: Kein Idyllischer Landschaftslauf über 50 Meilen) mit ca. 2000 Höhenmetern zu absolvieren. Die erste Schleife mit etwas über 50km läuft dieses Jahr für mich deutlich zäher als letztes Jahr. Ab Kilometer 10 merke ich nämlich, wie meine Hacken in den Schuhe rutschen und ich habe das Gefühl, dass es so auf Dauer ziemlich sicher Blasen geben wird. Wohl doch keine so gute Idee mit Schuhen, die zwar 150km eingetragen sind, aber mit denen ich noch nie einen Marathon gelaufen bin, zu starten. Bei Kilometer 15, oben am Gipfelkreuz / Gipfelbuch des Tosmar Kammweges, schnüre ich meine Schuhe neu und deutlich fester.
Ja, die Hacken sitzen jetzt gut und fest. Aber nach ca. 35 Kilometer merke ich, dass diese feste Schnürung meinem Fußrücken überhaupt nicht gefällt. Insbesondere bergab Laufen wird zu einer echten Qual. Und zu allem Überfluss fängt es jetzt für fast eine Stunde ziemlich heftig an zu regnen. Der von der Stirnlampe verursachte Stroboskopeffekt an Regentropfen und den von kräftigen Windböen gelösten Laub und Lärchennadeln, die in Massen herab rieseln, lenkt mich jetzt andauernd ab. Dabei gilt es eigentlich seine Augen ständig am Boden zu haben. Man weiß nie, was für Steine, Äste oder Matschlöcher sich beim nächsten Schritt unter dem Zentimeter hohen Laub verbergen. Was sind meine Füße dann froh, als ich nach 50km endlich die Schuhe wechseln kann. Außerdem wird das mit Regenwasser getränkte Laufshirt gegen ein trockenes Shirt getauscht.

23 Minuten länger für den ersten Abschnitt der Strecke und satte 30 Minuten – statt ~15 Minuten in 2014 – für Verpflegung und Schuhwechsel. Der Zeitplan hängt jetzt um fast 40 Minuten. Auf dem zweiten Teil der Strecke läuft es aber besser. Es hat nun aufgehört zu regnen und es ist sternklar. Bergab Laufen ist immer noch doof, aber bergauf läuft es dafür umso besser. Ich kann, bis auf ein paar extrem steile Passagen, alle Steigungen ohne Gehpausen hochlaufen und schaffe es auch die Stelle oberhalb von Sack, an der ich letztes Jahr auf einem Single-Trail, 10km vor dem Ziel, umgeknickt bin, heile zu passieren.

Die 1,5km bergab nach Sack werden noch einmal unangenehm. Die Oberseiten der Füße meckern und Nicole und Ingmar, die ich kurz zuvor hinter mir gelassen hatte, überholen mich wieder. Aber gleich hinter Sack geht es „zum Glück“ noch mal 2,5km lang nur bergauf 😉

Auf dem zweiten, ca. 30km langen Teil der Runde, bin ich dieses Jahr um 15 Minuten schneller. Der Rückstand gegen 2014 schrumpft so am Ende wieder auf 23 Minuten zusammen. Ich bin zufrieden. Das Minimalziel von „unter 12h“ wurde trotz Fußproblemen, reichlich Wind, Regen und jede Menge Matsch, Pfützen und Laub mit Rutsch und Schlitter gut erreicht.

Nach Duschen, Weizenbier und Smalltalk ging es dann gegen 06:00Uhr morgens für 2 1/2h Schlaf ins Auto … Richtung Osten leuchtet eine schmale Mondsichel, direkt darüber Venus, Mars und noch Jupiter! Ein toller Anblick dieser engen Konstellation. Aber lange kann ich das Schauspiel nicht genießen, die Augen fallen recht schnell zu. Um 08:30 Uhr klingelt der Wecker … Ausschlafen geht anders 😉 Aber Michaels „Therapeuten-Team“ hat für ein lecker Frühstück mit frischen Brötchen gesorgt. Das weckt die Lebensgeister. Wurst, Käse, Marmelade, Nutella, Joghurt, … Alles was das Herz begehrt. Ich hoffe insgeheim, dass keiner so genau aufpasst, was ich nach dem Lauf letzte Nacht so alles in mich hinein stopfe 🙂 Anschließend ist Siegerehrung. Der Sieger heißt dieses Mal nicht Georg Kunzfeld (welcher „nur“ zweiter geworden ist) oder Matthias Schramm, sondern Amadeus Gladbach. Dieser hat mit unglaublichen 7h58min (!), den alten Streckenrekord um 2 Minuten verbessert.

Ach ja, nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass ich dieses Jahr auf meine gute LED Lenser H14R.2 von Zweibrüder verzichten und stattdessen mit einer Ersatzfunzel laufen musste. Die Lampe ging nach einem Defekt am 21. September zurück an Werkzeug Volberg (LED Lenser Fachhändler). Irgendwo zwischen Fachhändler und Zweibrüder ist die Lampe vermutlich verschwunden. Keiner will Schuld sein oder Verantwortung übernehmen. Auch mit diversen E-Mails und Telefonaten konnte nichts, aber auch gar nichts, bewegt werden. Statt gutem, unbürokratischem  Service nur die reißerische Schlagzeile: „Renommierter Stirnlampenhersteller und Fachhändler lassen Ultra-Trail-Läufer nach bereits 8 Wochen andauerndem Reparatur-Hickhack nachts ohne Lampe in wildschweinverseuchtem Mittelgebirgs-Wald südlich von Hildesheim zurück“ ;-(

Danke an Susanne und Michael + „Therapeuten-Team“. Hoffentlich bis nächstes Jahr …