Auf der Web-Seite der Organisatoren findet sich folgendes:

Also es ist dunkel wahrscheinlich nass und es geht sehr oft bergauf. Gelaufen wird die 50k HiLL50 Runde mit einigen Änderungen ab etwa der Hälfte biegst du auf eine 30km Runde südlich von Sibbesse ab über die 7 Berge. Vielleicht hast du Glück und Schneewitchen reicht dir was zu trinken. Wenn du Pech hast erwischen dich die Zwerge oder die Wildschweine 😉

Orientierung?

Eine gute Orientierungsfähigkeit kann genauso entscheidend für Dein Finish sein wie Deine reinen läuferischen Fähigkeiten.
Du bekommst eine Topografische Karte. (Die kannst Du auch behalten und voller Stolz deinen Kindern zeigen)

Dein Zeitgewinn unterwegs ist enorm, wenn Du Dich präzise jederzeit orientierst, immer mit dem Finger auf der Karte weißt wo Du gerade bist. Der schnelle Läufer, der oft falsch abbiegt bekommt ein Problem. Der langsame Läufer, der sich ebenfalls schlecht orientiert, sieht hier das Ziel nie. Im Rennen muß Dir jederzeit bewusst sein, wo Du Dich aktuell befindest. Trainiere das bitte!

Sachlage ist, daß Du nach topografischer Karte laufen wirst und die Streckenmarkierung nur eine unvollständige Unterstützung darstellt. Mach´ Dir das im Vorfeld bewußt sonst bist Du hier überrascht. Es bedeutet, Deine Fähigkeiten nach topografischer Landkarte zu laufen müssen gut sein.

Stirnlampe mit LED ist unbedingt Pflicht weil du sonst die Streckenmarkierung nicht siehst.

Mehr gibt es nicht zu sagen.
Ach ja wenn du einen Tunnel siehst mit einem hellen Licht am Ende und dazu ruft jemand deinen Namen. Vergewisser Dich auf der Karte ob du richtig bist, ignorier die Stimmen und komm nach Hause zur Herberge.

Schon 2014 und 2015 hat mir dieser Lauf sehr gefallen, also ging es auch 2016 wieder an den Start.

50 Meilen, also ca. 80 Kilometer, sind lang, aber da ich in den letzten 3 Jahren bestimmt schon ein Dutzend mal solch eine Distanz gelaufen bin (und auch immer ins Ziel gekommen bin) mache ich mir darum mittlerweile keine Sorgen mehr. Obwohl natürlich so ein nächtlicher Lauf, mit Stirnlampe, durch einen mit schmierigem Herbstlaub gefüllten und matschigen Wald, jede Menge Potenzial bietet sich die Gräten zu verbiegen. Einmal nicht aufgepasst, schon bleibt man an einer Baumwurzel hängen und …

Aber zunächst zurück zum Start …

Um Punkt 16:00 Uhr startet Michaels Briefing:

… ihr habt die Möglichkeit bei Kilometer 30, oder auch vorher, wenn ihr euch ein Bein brecht, auszusteigen. Steigt ihr aus, also finisht nicht den Lauf, gehört die untere Hälfte der Erkennungsmarke mir. Den Rest könnt ihr dann als Zeichen eures Versagens mit nach Hause nehmen, unters Kopfkissen packen und ein bisschen ins Kopfkissen reinweinen … Der Rest kommt hier an Kill Bill. Ihr seht, er hat schon reichlich Beute …

Punkt 17:00 Uhr startet dann die Meute. Nach vielleicht 500 Metern haben wir uns dann auch gleich zum ersten Mal verlaufen. Irgendwo wurde rechts ein Abzweig verpasst. Um diesen Fehler zu korrigieren, geht es ein Stück querfeldein durch den Wald eine Böschung hoch, um wieder auf den vorgegebenen Track zu gelangen. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass mir / uns vor einem Jahr schon genau der selbe Fehler passiert ist.

Ruckzuck hat sich das Feld auseinander gezogen und es geht auf den Tosmar Kammweg hinauf. Auf dem Kammweg ist es (auch wie immer) matschig und schmierig. Man muss ziemlich aufpassen. Trotzdem bleibt ein Auge an den Schönheiten der Umgebung und des Augenblicks. Von links ziehen immer mal wieder Wolkenfetzen über den Kamm, so dass man im Nebel steht. Gleichzeitig sieht man aber über sich die Sterne funkeln und manchmal auch die schmale Mondsichel über den Bäumen stehen. Auf der rechten Seite gibt es häufig einen tollen Ausblick in das Funkeln der abertausend Lichter in Richtung Hildesheim. Herrlich! Am Tosmar-Gipfelkreuz klettere ich extra auf den Sockel des Kreuzes um eine bessere Sicht auf das Hildesheimer Lichtermeer zu haben. Aber der Lichtkegel des nachfolgenden Läufers reißt mich nach nur 20 Sekunden wieder aus dem Traum und mahnt zum Weiterlaufen.

Ab hier geht es wie im Rausch weiter bis hinab nach Diekholzen. Dort fix einen Becher Cola an einem unbemannten VP getrunken und weiter. Irgendwo auf halber Strecke zwischen Diekholzen und Barfelde erwischt es mich dann. Tiefe, matschige Treckerspur auf einem Grasweg, der rechte Fuß ist gerade in der Luft und der linke rutscht weg. Bautz … Mit der rechten Flanke in voller Länge im Schmodder … Äh, Igitt … Aber immerhin butterweich gefallen. Aufstehen, kurz umgeguckt … Zum Glück, keiner hat es gesehen. Hände vom Matsch befreien und weiter gehts.
Bei Kilometer 30 am 1. VP in Heinum frage ich dann, ob man es sehen würde, dass ich im Matsch gelegen habe. „Neeiiinnn, hihi …“ war die Antwort. Ok …
Hier am VP in Heinum werden mal wieder fast 10 Minuten im Klönschnack vertrödelt. Erdnüsse, Salami, Käse, Schmalzstulle, Müsliriegel, Cola, und und und … so viele leckere Sachen. Eigentlich könnte man doch hierbleiben. Aber so einfach wollte ich es Kill Bill dann doch nicht machen.

Weiter geht es. Jetzt kommt ein „lustiger“ Teil. Man quält sich auf die Hohe Tafel (locker 400m N.N.) zum Tafelberg Turm rauf, nur um kurz danach wieder herunterlaufen zu müssen, um danach abermals über die verfluchte Wettenser Schleie wieder auf den Höhenzug herauf laufen zu müssen. Am Ende der ca. 1.5km durch die Wettenser Schleie ist es so steil, dass man selbst gehend, mit den Händen auf den Oberschenkel abdrückend, das Gefühl hat, rückwärts zu laufen. Danach noch ca. 6 „angenehm“ matschige Kilometer und wir sind wieder im Basislager (Kulturherberge Wernershöhe). Hier gibt es jetzt ein frisches Shirt, neue Batterien für das GPS, eine dickere Hose, eine neue Füllung für die Trinkblase im Rucksack und natürlich auch alles, was in 5 Minuten in den Magen zu bekommen ist.
Ziemlich genau Punkt Mitternacht verlasse ich die Kulturherberge und es geht auf die letzten 30km, die es aber auch in sich haben. Kurz vor Irmenseul kommen dann zwei Stirnlampen von hinten. Das sind Oliver und Stephan (mit denen ich nachher zusammen im Ziel einlaufen werde). Ich frage mich eine ganze Weile, wo die Beiden jetzt noch die Kraft hernehmen, so an mir vorbeizufliegen. Aber egal, ich muss mein Tempo laufen und eigentlich läuft es heute sehr gut. Mit Musik auf den Ohren laufe ich jetzt mein Ding. Die Meditation wird nur dadurch „gestört“, dass ziemlich genau 10 Kilometer vor dem Ziel Karl an mir vorbei zischt. „2 Becher Cola und ein Dextro-Gel“ oder so ähnlich lautet seine Antwort auf meine Frage, wieso er jetzt plötzlich so flott unterwegs ist. Außerdem motiviert ihn wohl, dass es nur noch 10 Kilometer sind. 10 von 80, das klingt nicht mehr nach viel.

Oben auf dem Kamm oberhalb von Sack angekommen, hat man wieder einen tollen Blick in die Ferne. Jetzt sind es noch ca. 7 km. Ich sehe in der Entfernung 3 Stirnlampen funzeln und sauge mich auf den nächsten 6km immer näher an diese heran. Einen Kilometer vor dem Ziel habe ich die Drei dann endlich eingeholt und wir laufen erschöpft und zufrieden um 04:12Uhr nach 11h und 12 Minuten wieder in der Kulturherberge ein. Auch den 3. Kill erfolgreich nach Hause gelaufen. Serienkiller sozusagen.

Dusche, Bier, Nudeln mit Tomatensoße, Klönschnack und dann geht es kurz nach 5 Uhr für ca. 4 Stunden in die Horizontale. Gegen 09:00 Uhr geht es mit Frühstück und anschließender Urkundenausgabe weiter. Bei 12:00 Uhr herum bin ich dann nach einstündiger Autofahrt wieder zu Hause.

Jetzt noch das Auto ausräumen, Waschmaschine anstellen, … Den zum Ende des Waschmaschinenlaufes gestellten Wecker bekomme ich jedoch nicht mehr mit. Es ist nämlich schon 20 Uhr durch, als ich wieder aufwache. Ein Kobold hat bereits die Waschmaschine ausgeräumt und der geplante Besuch beim örtlichen griechischen Gastronomen ist ausgefallen. Tja …

Einen „Mangel“ hat dieser Lauf übrigens doch: Es gibt keine schönen Landschaftsfotos. Aber man kann ja nicht alles haben. Dafür gab es jede Menge Spaß mit Gleichverrücktengesinnten …

Es bleibt noch der Dank an Susanne sowie Michael und die diversen Helfer im Hintergrund, die diesen tollen Lauf möglich gemacht haben. Bis zum nächsten Jahr!?