„Der KiLL50 wird kein idyllischer Landschaftslauf. […] Die 50 steht für 50 Meilen also etwa 80km. […] Du läufst  durch den Wald. Hektisch schwenkt der Lichtkegel deiner Kopflampe durch den seichten Nebel. Es wird kalt sein und wahrscheinlich nass. Du startest wenn es dunkel geworden ist. […] Du hoffst inständig die nächste Markierung nicht zu übersehen. […] Zur Belohnung darfst du deine Verpflegung auch komplett selber mitschleppen.
Der KiLL50 mit seinen über 2000 Höhenmetern wird kein Spaziergang. Lange Rampen und steile Anstiege werden von deinen Beinen und von deinem Kopf alles fordern. Im November ist zusätzlich noch das Wetter gnadenlos. Und auch wenn der Weg überwiegend im Wald verläuft, musst du nassgeschwitzt aufs offene Feld hinaus. Der Wind, der Schnee oder der Regen wird die letzte Wärme aus deinen Gliedern ziehen.“

So stand es in der Ausschreibung und dort wurde nicht zu viel versprochen 😉 Die Länge der Strecke, knackige Anstiege, der viele Matsch und die Dunkelheit waren doch eine ziemliche Herausforderung für mich, der das erste Mal bei diesem Lauf dabei war. Unter den ca. 40 gemeldeten Teilnehmern waren diverse Läufer, die hier schon zum x-ten Mal an den Start gingen. Die zerbrochenen Erkennungsmarken an dem Skelett stammen übrigens von den Läufern, die hier die letzten Jahre aufgeben mussten. Auch dieses Jahr haben wieder 3 Leute aufgeben müssen.

Immerhin, das Wetter war auf unserer Seite. Beim Start Temperaturen um 9°C und strahlend blauer Himmel. Oben am Gipfelkreuz des Tosmarbergs angekommen, konnte man dann nicht nur die vielen Lichter der Hildesheimer Ebene sehen, sondern auch der fast volle Mond ging jetzt auf. Ein tolles Bild. Im zweiten Teil der Strecke, weit nach Mitternacht, habe ich mich mehrfach umgedreht, weil ich dachte, da kommt ein Auto oder ein anderer Läufer von hinten. Es war aber immer nur der extrem helle Mond, der irgendwo durch die Bäume lachte.

Gestartet wurde um 17:00 Uhr in der Kulturherberge Wernershöhe in Wrisbergholzen. Hier gab es vorher gegen 16:00Uhr in einem Briefing letzte Infos vom Racedirektor Michael.
Es galt zunächst eine Schleife Richtung Norden durch den Hildesheimer Wald über den Tosmartrail Richtung Diekholzen zu laufen. Von dort weiter Richtung Barfelde. Bei ca. Kilometer 28 war dort bei der Reservistenkameradschaft ein Verpflegungspunkt mit allem was das Herz begehrte eingerichtet. Ich fülle dort die Trinkblase in meinem Rucksack nach, schütte mir ein Malzbier auf Ex ‚rein und werfe eine Handvoll Geleebananen und anderes Süßzeugs ein. Das war ein großer Fehler. Die nächsten Kilometer ist mir echt übel 🙂 Erst nach weiteren 10km oben auf der Hohen Tafel am Ernst-Binnewies-Turm angekommen, hat sich Magen wieder komplett beruhigt.

Nun ging es mit immer wieder knackigen Steigungen (wenn ich meiner Karte trauen darf, teilweise bis zu 18% Steigung) durch die Sieben Berge zurück zur Kulturherberge.

Es ist 23:45 Uhr, als ich dort eintreffe. Ca. 50.5km stehen bereits auf der Uhr:

  • Getränkevorrat auffüllen
  • Diesmal kein(!) Süßzeugs, sondern nur ein paar Käsehäppchen eingeworfen
  • Vorsorglich neue Batterien ins GPS (ohne GPS möchte ich hier nachts nicht da stehen müssen)
  • Zur Sicherheit noch Ersatzbatterien für die Stirnlampe ins Gepäck
  • Zusatz-Akku fürs Mobiltelefon, damit es die jeweils aktuelle Position zu meiner besorgten Regierung funken kann
  • Die Geleebananen scheinen mittlerweile im Darm angekommen zu sein. Auch das benötigt noch ein paar Minuten extra 🙂

Gegen 00:00 geht es wieder auf die Piste. Die zweite Runde geht gut 30km durch den Sackwald. Hier weiß ich schon ziemlich exakt, welche Menge Matsch und Schlamm mich wo erwartet, da ich hier vor ca. 14 Tagen schon Mal ein wenig im Revier „geschnüffelt“ hatte.

Lauftechnisch alles prima, bis ich irgendwo oberhalb von Alfeld auf einem Kamm / Singeltrail ziemlich blöd auf eine Wurzel trete und dabei leicht abrutsche und mit dem rechten Fuß umknicke. Der Laufstil wird ab da auf den letzten 10km etwas unrund und die rechte Wade fühlt sich dadurch an wie „kurz vor Krampf“.  Der 2km Downhill Richtung Sack macht damit nicht mehr so viel Spaß wie noch vor 14 Tagen. Aber mein Mittläufer und Namenskollege Frank hat Geduld und wartet jetzt immer mal wieder auf mich. Bereits auf den ersten 50km bin ich ein ganzes Stück mit ihm zusammengelaufen. Nach der Kulturherberge muss ich ihn jedoch ziehen lassen, finde aber immer mal wieder Anschluss an ihn. An den Anstiegen scheine ich wohl den Hauch eines Zehntel km/h schneller zu sein als er.

Ab Sack sind dann plötzlich Leuchtmakierungen da, die nicht vom Veranstalter zu stammen scheinen. Nach ca. 200m bemerken wir, dass wir nicht mehr auf dem GPS-Track sind und laufen zurück, um dann sicherheitshalber doch lieber dem GPS-Track zu folgen. Die nächsten 3km gibt es merkwürdigerweise keinerlei Wegmakierungen des Veranstalters mehr. Wir sind verunsichert, diskutieren hin- und her, folgen aber „einfach“ dem GPS-Track und machen damit instinktiv das richtige. Irgendwer hat hier wohl – warum auch immer – auf fast 3km Länge die Markierungen entfernt.

Ca. 1km vor der Kulturherberge tauchen dann plötzlich auch wieder Markierungen auf. Ziel fast in Sicht. Ankunft dort um 04:24 Uhr. Meine offizielle Laufdauer 11h20min. 80,3km stehen auf der Uhr. Geschafft … im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach Weizenbier, warmer Dusche und zwei Bechern Cola sind die Lebensgeister wieder wach. Es dauert noch bis 06:00 Uhr bis ich mich aus der illustren Runde, der bereits im Ziel Angekommenen verabschiede und mir im Auto 3 1/2h Schlaf gönne.

Der Schnellste hat 8:00h (Georg Kunzfeld. Hammer!) gebraucht, die langsamsten 15h. Ich liege mit meiner Zeit irgendwo im Mittelfeld. Am nächsten Morgen wird dann eifrig darüber diskutiert, ob nicht eigentlich die LäuferInnen, welche 15h auf den Beinen waren, die viel größere Leistung vollbracht haben!? Letztendlich läuft aber ja jeder nach seinem Können und die Belastung ist für alle, ob schnell oder langsam, wohl ähnlich.

Dank an Michael und seine Susanne, sowie auch an das restliche, mir namentlich unbekannte, „Therapeuten“-Team für die Ausrichtung dieses tollen Events.

Viele Bilder gibt es freilich nicht. Zu dunkel für die Kompaktknipse und die DSLR + Stativ leider zu schwer für 80km: