Dieses Mal ein Gast-Beitrag von Kerstin, aka „alles-höher-als-ein-Deich-ist-ein-Berg-Radler“:

Heute „darf“ ich einmal einen Bericht schreiben…

Da aufgrund der Corona-Pandemie sich die Lauferei z.Zt. in überschaubaren Grenzen hält und der Wetterbericht bestes Radlwetter voraussagte, hatte Frank eine große Liegeradtour geplant.

Um 7:20 Uhr starteten wir Richtung Bennemühler Bahnhof, um mit der S-Bahn über Hannover nach Haste zu fahren. Aber wie das so ist, wenn man mit der Bahn eine Tour plant… Die S4 bummelte so vor sich hin, dass wir schon dachten, wir verpassen unsere geplante Anschlussbahn und fingen an, nach Alternativen zu suchen. Schließlich wurde doch noch Gas gegeben. In der S1 „eingeparkt“ und die Räder frisch verzurrt, kam die Durchsage: „Aufgrund eines Stellwerkschadens in Seelze fährt diese Bahn jetzt zurück nach Ronnenberg!“ Also schnell wieder raus aus der Bahn! Und wie geht’s jetzt weiter bzw. kommen wir überhaupt mit irgendeinem Zug nach Haste??? Ja kommen wir! Gute 30 Minuten nach unserer eigentlichen Planung stehen wir mit unseren bepackten Liegerädern am Haster Bahnhof. Wir beschließen nur Geo-Caches mitzunehmen, die direkt an unserer Strecke liegen, um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln – und los geht’s!

Ein Stück am Mittellandkanal entlang, dann entspannt „Querfeldein“ Richtung Weser nach Petershagen. Dort halten wir vor einer Bäckerei, die gerade im Begriff ist, Feierabend zu machen…  wir sahen wohl so bemitleidenswert aus, dass wir schnell noch zwei Rumkugeln, eine Kokosmakrone und eine Dinkel-Himbeerschnitte eintüten durften. DANKE an dieser Stelle an die beiden Bäckereifeen! Und die Rumkugeln waren die besten, die ich je in meinem Leben gegessen habe (und das waren schon so einige): perfekte Größe, super saftig und mega schokoladig 😀

Gestärkt ging’s weiter mit gelegentlichen Blicken auf die Weser nach Seelenfeld. Irgendwo auf diesem Stück beschließen wir, bei den noch kommenden Geo-Caches nicht mehr auszubremsen, da wir noch einige Kilometer vor uns  und haben und uns etwas die Zeit wegläuft.

Ab Seelenfeld wurde es zunehmend hügelig. Anfangs dachte ich noch: „Okay, die eine Steigung schaffst du schon!“, aber da ahnte ich noch nicht, dass sich diese EINE Steigung über Loccum bis hinter Münchehagen hinziehen sollte. Bis Loccum habe ich mich tapfer Zentimeter für Zentimeter vorwärts gekämpft, aber dann rollte ich, zumindest gefühlt, nur noch rückwärts. Stillschweigend, den Blick starr auf den Boden gerichtet, habe ich den „Rest“ geschoben, was mit einem Liegerad so richtig Spaß macht 😈 … Frank dagegen trat weiter locker flockig in die Pedalen und war schon bald außer Sichtweite (war auch besser so… er wusste schon, warum er mir nichts vorher gesagt hat 😉 ) Irgendwann hatte auch ich tatsächlich den höchsten Punkt erreicht, wo Frank auf mich wartete.

Jetzt ging es bis Winzlar eigentlich nur bergab, aber auf teilweise sandigen Schotterpisten war das auch nicht so ganz ohne. Ich hüllte mich nach wie vor in Schweigen und dachte: „Na toll, jetzt kommen wir wegen dieser blöden „Steinhuder Schweiz“ zu spät zu unseren wohlverdienten Fischbrötchen in Steinhude!“ Ab Winzlar wurde es dann langsam aber sicher eng auf den Wegen zum Steinhuder Meer. Völlig platt und genervt von den viele Leuten in Steinhude rollten wir vor unsere Fischbrötchenbude – eine Viertelstunde vor Feierabend! Puh! Nach einem Krabbenbrötchen erwachten so langsam wieder die Lebensgeister in mir, und die Aussicht auf ein leckeres Eis in Neustadt ließ mich irgendwann auch wieder lächeln…

Die letzten Kilometer von Neustadt Richtung Heimathafen liefen dann erstaunlicherweise relativ locker… nach 116km auf dem Tacho und in den Beinen standen wir nach 12 Stunden, 16 Minuten und 39 Sekunden wieder bei uns vor der Tür.

P.S.: Mir ist schon klar, dass das keine Alpentour war, aber ich bin halt ein Küstenkind 😀