Ich meine, es war der Neujahrstag 2021, an dem ich mich zu diesem Lauf angemeldet habe. Die Befürchtungen galten dabei mehr dem SARS-CoV-2 Virus als dem Wetter. Dem Virus wurde durch einen kontaktlosen Lauf begegnet. Der Start von ca. 25 Läufern erfolgte dabei über einen Zeitraum von 05:00Uhr bis 10:00Uhr verteilt, mit max. 2 Personen je Zeitfenster. Dass aber auch das Wetter eine Herausforderung werden sollte … Wer konnte denn ahnen, dass es dieses Jahr im Februar tatsächlich mal wieder richtig Winter(!) werden sollte.

Am Vortag des Laufes wurde also mit tatkräftiger Unterstützung der besseren Hälfte das Auto von Eis und Schnee befreit, der Motor zur Sicherheit – nachdem das Auto 2 Wochen nicht bewegt wurde – mal angeworfen und nochmals Scheibenwaschfrostschutz ergänzt. Alles schien prima vorbereitet.

Nach der bis dato kältesten Nacht des Jahres mit -17°C sprang dann am nächsten Morgen der Motor auch relativ problemlos an. Aber der Gebläsemotor der Innenraumbelüftung gab keinen Mucks von sich. Ohne Belüftung der Frontscheibe keine Chance bei -17°C  freien Blick auf die Straße zu behalten. Schon die Suche nach der zum Lüfter gehörenden Sicherung im Betriebshandbuch des Autos war mit den klammen Fingern eine Herausforderung. Das Ziehen der Sicherung mit den kalten Finger misslang. Erst eine Spitzzange konnte hier weiterhelfen. Aber, Fehlanzeige, die Sicherung war in Ordnung. Also Torx-Schraubendreher besorgt, eine große Abdeckung im Fußraum auf der Beifahrerseite entfernt und den Gebläsemotor ausgebaut. Das Multimeter zeigte, dass Spannung am Motor anliegt und einmal angeschubst drehte der Gebläsemotor in der Hand gehalten auch fröhlich vor sich hin. Wieder eingebaut, zeigte der Motor aber erneut keinerlei Regung. Hmmm …. Mit etwas Fingerspitzengefühl konnte ich den Motor dann, unter Spannung, während er sich dabei drehte, wieder einbauen und ich meine Fahrt mit jetzt fast einer Stunde Verspätung endlich starten.

Am Deister fand ich dann, nach einer Fahrt durch teilweise dichten Nebel, herrlichstes Winter-Sonnenwetter vor. Das Thermometer zeigt hier jetzt sogar -18°C.  Krass. Aber sofort nach dem Start ging es fast 300 Höhenmeter aufwärts, so dass mir bereits nach ca. 3 Kilometern nicht mehr kalt war 😉 Genialer blauer Himmel, für unsere Verhältnisse Unmengen an Schnee und immer wieder lange Abschnitte, die nur sehr schwer zu laufen waren. Am Ende war es für mich mit 7:28h (!!!) und 44.5km auf der Uhr mein bisher langsamster Marathon. Sogar noch über eine Stunde langsamer als bei meinem bisherigen „Rekord“ beim Bückeberg-Marathon, wo ich im August letzten Jahres mit dickem Pflaster auf einer fetten Schürfwunde am Knie, nach einem Sturz in der Woche davor,  mit geschlichen war.

Am Ende war ich froh gestartet zu sein. So viel Winter wird es wahrscheinlich so schnell nicht wieder geben. Tolle Fernsicht in Richtung Norden: Die Ebene lag teilweise in Dunst und Nebel und die kleineren Höhenzüge und Berge, wie z.B. Benther oder Gehrdener Berg guckten oben aus der Dunstsuppe heraus. Auch war es am Deister deutlichst weniger voll, als ich befürchtet hatte. Außer an einigen Spots, an denen gerodelt wurde, war es die meiste Zeit herrlich einsam und still.

Danke an Heiko, für die tolle Idee zu diesem Lauf und dessen corona-konformer Organisation!