„Ein Ultra, bei dem man 52km lang sein Ziel immer schon sehen kann“ so hat es Racedirektor Michael versprochen. Versprochen hat er auch „keinerlei Schatten“. Alles traf zu 😉

Gestartet sind wir kurz vor 09:00 Uhr  im Nassauhafen in Wilhelmshaven. Es ging zunächst als Fußgängergruppe zum Anleger der MS Harle Kurier, einer kleineren Personen- und Fahrradfähre, am Helgolandkai, die uns in ca. 1/2-stündiger Fahrt auf die andere Seite nach Eckwarderhörne gebracht hat. Wetter top, knapp unter 20°C, Seeluft, Frank fühlt sich – als ehemaliges Küstenkind – wie zu Hause.

Am Anleger in Eckwarderhörne dann letzte Instruktionen von der Racecontrol: „Immer direkt an der Deichlinie entlang. Abkürzen ist zwecklos, denn irgendwann kommt die Flut. Keinen Müll hinterlassen, wir sind in einem Nationalpark …“

Und los ging’s: Salzwiesen, Kormorane, Austernfischer, Schafe (und deren Hinterlassenschaften 😉 ), der Duft des Watts, salzige Luft, Kaninchen, Ziegen(!), Hasen, Möwen, unbekannte Vegetation, Kunstwerke, … Ich fühlte mich wie zu Hause. Am Anfang mit leichtem Wind schräg von vorne lief es wie am Schnürchen. Die ersten 25km waren locker in einer Pace knapp oberhalb um 6:10min/km gelaufen. Nach dem 1. Verpflegungspunkt und 90° Richtungswechsel kam der Wind dann plötzlich ziemlich genau von achtern. Man sah, dass sich die Grashalme irgendwie bewegten, aber da der Wind in etwa die Laufgeschwindigkeit zu haben schien, spürte man davon absolut gar nichts. Die Sonne brannte jetzt erbarmungslos und die Pace ging zusehends in den Keller.

In Dangast herrschte dann Ausnahmezustand. Ein mehrere 100 Meter langer Flohmarkt verstopfte die Straße. Hier ging es nur im Slalom und im Schneckentempo voran. Müssen die ausgerechnet heute hier einen Flohmarkt machen? Die Besucher werden sich analog gedacht haben, ob die Läufer jetzt unbedingt heute hier durchhetzen müssen 😉

Eigentlich hatte ich mich schon die ganze Zeit auf ein Krabbenbrötchen am Fischturm in Dangast gefreut. Aber der Magen fühlte sich komisch an und signalisierte irgendwie „Will nix festes, nur Flüssigkeit …“. Schade … Mit der Flüssigkeit war das aber so eine Sache. Kerstins Fahrradtasche war mit 3 Litern Flüssigkeit für meine Trinkblase bepackt. Da sie aber wenige Kilometer hinter Eckwarderhörne wegen Deichbauarbeiten schon einen ersten riesigen Umweg fahren musste, war von ihr nichts zu sehen. Also galt es mit den Ressourcen bis zum 2. VP bei ca. Kilometer 42 auszukommen.

Auf den letzten 6 km, nach erneutem 90° Richtungswechsel, kam dann eine frische Brise von vorne auf. Diese bremste zwar gefühlt ziemlich, aber bei Temperaturen von locker 25-26°C und praller Sonne war dieser Wind nun doch irgendwie äußerst angenehm.

Jetzt liefen wir plötzlich in Mitten einer Unmenge von Triathleten,  des hier stattfindenden Nordseeman-Triathlons auf der Deichpromenade. Hier war Stimmung! Einen ganzen Schwung der Triathleten konnte ich trotz fast 50km in den Beinen dann noch überholen. Das motivierte ungemein 😉

Nach 5h55min war ich wieder am Nassauhafen. Selten hat mir das Finisher-Bier so gut geschmeckt, wie hier nach diesem langen Sommerlauf. Mir hat es riesig Spaß gemacht, aber dieser Lauf ist mit seinen langen Geraden und dem nicht vorhandenen Schatten echt nicht ohne! Trotz Sonnenchreme habe ich mir einen Sonnenbrand in den Kniekehlen eingefangen. Kerstin hingegen war „etwas“ unglücklich, da sie wegen unzähliger Deichbaustellen immer wieder auf Landstraßen ohne Radweg unterwegs war und weniger Jadebusen gesehen hat, als erhofft. Immerhin konnte sie sich mit gleich zwei Krabbenbrötchen in Dangast und Wilhelmshaven trösten 🙂

Fazit: Komme gerne wieder! War schön bei euch. Einen herzlichen Dank an Michael und Ralf für die Ausrichtung des Laufs und natürlich auch an die mir namentlich unbekannten Supporter an den beiden Verpflegungsstellen!