Zum 4. Mal ging es für mich beim Sünteltrail, diesem von Helmut Eickermann und (s)einem Team von Süntelgeistern immer perfekt und liebevoll organisiertem Lauf, an den Start. Nicht so perfekt war die Menge meines Schlafes. Ich habe zwar am Vorabend gegen 23:00 Uhr (weit vor meiner üblichen Zeit) ins Bett gefunden, aber bis ich dann endlich eingeschlafen war … Jedenfalls fühlte ich mich wie gerädert, als der Wecker um 03:00 Uhr das Träumen beendete … Egal … Hilft nichts … Ich wollte ja auf keinen Fall das üppige Pre-Race Frühstück ab 5 Uhr verpassen.

Nachdem es am Freitag noch Temperaturen von locker 30°C gab, war es am Samstag zum Start Punkt 06:00 Uhr mit 19°C angenehm kühl. Kurz nach dem Start gab es noch einen kurzen Schauer, der aber unter dem dichten Blätterdach des Deisters nicht weiter störte. Dieses dichte und feuchte Blätterdach sorgte dann aber auch dafür, dass mein GPS sich zickig verhielt. Bereits 2.5km gelaufen, zeigte es mir immer noch ‚Kein Satellitenempfang‘. Auch mehrfaches Ein- und Ausschalten des Gerätes änderte daran zunächst rein gar nichts. Obwohl es mir wiederstrebte, beschloss ich auf einer Lichtung am Kölnischfeld einen Stopp einzulegen und mit empor gestrecktem Arm, den GPSr in die Luft haltend, auf Empfang zu warten. Nach quälenden Minuten gab es endlich den erlösenden Piepser vom Gerät: ‚Empfang …‘. Na endlich. Mittlerweile hatten mich die Beiden im Rotkäppchenkostüm gestarteten Bremer („… weil, der Deister/ ist Wolfsgebiet …“) eingeholt. Es dauerte dann, nach einem weiteren (Foto-) Stopp am Steinbruch oberhalb von Springe, noch fast die komplette Deisterschleife, bis ich die Beiden wieder eingefangen hatte.

Nach den ersten 16km der Deisterschleife liefen wir ‚rüber in den Süntel. Die Sonne bahnte sich nun immer öfter ihren Weg durch die Wolken. Mit der tief stehenden Sonne und den tief hängenden Wolken ergaben sich anfangs tolle Bilder in der Landschaft. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt zu faul, stehen zu bleiben und die Kamera dafür aus dem Rucksack zu kramen. Bei ca. Kilometer 20, am Fuße des Süntels angekommen, meldete sich die Oberschenkelmuskulatur bereits. Das erinnerte mich stark an Kleinkinder auf der Rückbank des Autos bei einer längeren Fahrt. „Wie lange noch?“, „Wann sind wir endlich da?“, hörte ich die Muskeln immer wieder sagen. Schon nach nur 1/4 des Weges wurde mir klar, dass wird heute eine harte Nummer. Meine letzten nennenswerten Höhenmeter, die ich gelaufen bin, waren irgendwann Ende April bei der Harzquerung. Lange Strecken über 80km und 50km bin ich in den letzten Wochen ja gelaufen, aber ernsthafte Höhenmeter leider keine. Bergab war somit für die Muskeln in den Oberschenkel heute eine echte Qual! Es dauerte bestimmt bis Kilometer 55, bis ich den quengelnden Kindern auf der Rückbank, äh nein, der Oberschenkelmuskulatur, klar gemacht hatte, das „nach Hause fahren“ keine Option ist.

Und dann kam irgendwann wieder mein „Lieblingsstück“: Von der Bergschmiede noch mal wieder ‚rauf zum Süntelturm und hinten um die Eulenflucht herum zurück zur Bergschmiede. Diese ca. 10km-Schleife hat es echt in sich, wenn man bereits 60 km in den Beinen hat. Der Aufstieg führt über einen Betonplattenweg, der Anfangs noch recht seicht ist, aber dann zum Ende hin kontinuierlich steiler wird. Aber irgendwann ging es auch wieder bergab und der letzte VP war erreicht. Hier wurde nochmal Flüssigkeit nachgefüllt (feste Nahrung schmeckte mir mittlerweile nicht mehr) und dann ging es auf die letzten 10 km. Jetzt fehlte größtenteils der Schutz des Waldes und es ging unter praller Sonne über heißen Asphalt und staubige Feldwege zurück nach Bad Münder. Aber egal, die Aussicht auf eine Dusche mobilisierte noch einmal die verbliebenen Kraftreserven.

Im Ziel zeigte die Uhr 11h28min bei 81.59km (ganz ohne kleinere Verlaufer ging es heute nicht ab. Das GPS hatte immer mal wieder Empfangsverluste zu vermelden, so dass ich gleich mehrfach Trampelpfadabzweige verpasst habe und zurück laufen musste). Insgesamt war ich 12 Minuten schneller als letztes Jahr, dafür gibt es aber zum Ausgleich dann 12 mal mehr Muskelkater als letztes Jahr 😉 Treppe ‚runter am Sonntag … Oha … Aua … Macht nichts … Toller Lauf … Wenn’s zeitlich passt, nächstes Jahr wieder …